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Auf den Spuren jüdischen Lebens in Esens

Am 4. November 2023 unternahm das Netzwerk „Reise ins jüdische Ostfriesland“ eine Exkursion nach Esens, um sich auf die Spuren des dortigen jüdischen Lebens zu begeben. Bei der Veranstaltung handelte es sich um eine Kooperation zwischen August-Gottschalk Haus, Folkingestraat Synagoge Groningen sowie der Kulturagentur der Ostfriesischen Landschaft, gefördert durch den Kleinprojektefonds des Interreg VI A-Programms. Das Interesse an der Exkursion war derart umfänglich, dass zahlreiche Anmeldungen aufgrund des begrenzten Raums im Museumsgebäude bedauerlicherweise nicht entgegengenommen werden konnten. Allerdings ist es geplant, die Veranstaltung zu einem späteren Zeitpunkt erneut anzubieten. Rund dreißig Netzwerkpartnerinnen und Netzwerkpartner nahmen an der Veranstaltung teil.

Begrüßt wurden die Teilnehmenden durch die Museumsleiterin Anke Kuczinski und den Vorsitzenden des ökumenischen Arbeitskreises Juden und Christen, Jens Ritter. Nach einem kleinen Imbiss im Museum „Leben am Meer“ machte man sich zu Fuß auf den Weg zum August-Gottschalk Haus. Das jüdische Museum „August-Gottschalk-Haus“ in Esens befindet sich im ehemaligen Gemeindehaus der jüdischen Gemeinde Esens. Namensgeber ist der Lehrer, Vorbeter und Schächter der Gemeinde, der seit Erbauung des Hauses 1899 bis zu seinem Tod 1927 mit seiner Familie hier gelebt hat.


Die Dauerausstellung über jüdisches Leben in Ostfriesland bis zur Auflösung der jüdischen Gemeinden wurde in den letzten Jahren komplett erneuert und zeigt drei inhaltliche Schwerpunkte: Alltag der Juden in Ostfriesland, religiöses Leben sowie Verfolgung und Vernichtung der ostfriesischen Juden. Im Museum kann auch die renovierte Mikwe besichtigt werden. Auf dem Museumsgelände befinden sich die Reste der in der Pogromnacht im Jahr 1938 teilweise niedergebrannten Synagoge. In den authentischen Räumen des denkmalgeschützten Hauses wird erlebbar, dass Juden fester Bestandteil der ostfriesischen Gesellschaft in elf Synagogengemeinden waren: Bunde, Weener, Leer, Jemgum, Emden, Norden (mit Norderney), Aurich, Dornum, Wittmund, Neustadtgödens und Esens. Ihr Ende fand diese Zeit im April 1940, als mit Ausnahme der Bewohner des jüdischen Altenheimes in Emden die letzten Juden Ostfriesland verlassen mussten.

Neben der Museumsleiterin Anke Kuczinski informierten die stellvertretende Vorsitzende des ökumenischen Arbeitskreises, Sabine Manthey, sowie Gabriele Buisman kenntnisreich über das ehemals rege jüdische Leben in der ostfriesischen Kleinstadt im Landkreis Wittmund. Im Anschluss an die Museumsbegehung und eine thematisch darauf Bezug nehmende Stadtführung fand sich das Netzwerk wieder im Tagungsraum Museum „Leben am Meer“ zusammen. Dort hielt Alie Noorlag von der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit einen Impulsvortrag über jüdische Erinnerungskultur im niederländischen Stadskanaal.


Der Leiter der Kulturagentur, Dr. Welf-Gerrit Otto, betonte am Ende dieses ereignisreichen und kommunikativen Tages die Notwendigkeit der Netzwerkarbeit gerade angesichts der aktuellen politschen und gesellschaftlichen Situation. Nur gemeinsam sowie in Rückbesinnung auf die Erkenntnisse, die uns die Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte lehrt, könne man den Herausforderungen der Zukunft begegnen. Aus diesem Grund wird die deutsch-niederländische Veranstaltungsreihe fortgeführt – im Dezember wird es zur Chanukka-Feier ins niederländische Bourtange gehen.

Die Exkursion ins jüdische Esens wurde aus dem Kleinprojektefonds des Interreg VI A-Programms finanziert.


(Der Originaltext befindet sich auf dieser Website)



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